In Zeiten nervöser Züge

"18:00 - Er sieht auf die Uhr, 2 Stunden noch, denkt er sich. Sein Kopf wird überflutet von paradoxen Gefühlen, Freude und Angst durchziehen sein Bewusstsein gleichermaßen.

Was soll ich sagen?
Was soll ich tun?
Wie soll ich reagieren?
Was wenn ich mich blamiere?
Was wenn sie nicht die ist, die sie zu sein scheint?
Was wenn ich anders bin, als sie es von mir erwartet?

All diese Fragen zehren an seinen Gedanken.
Er geht duschen, rasiert sich und wählt seine Klamotten aus. Alles macht er mit einer Präzision, die an Wahnsinn grenzt. Noch nie hat er ein solches Gefühl verspürt. Eine Nervosität hat ihn gepackt, welche er nie zuvor erahnen konnte, sein Magen gleicht einem steinernem Gebilde.

18:30 - Er blickt zur Uhr, noch 1 1/2 Stunden, denkt er sich. Er sieht sich in seiner Wohnung um, findet überall Dinge die er noch aufräumen muss. Er war nie der Putzteufel, doch heute soll alles Perfekt sein, jede Staubkorn muss beseitigt werden, jedes Stück Wäsche muss feinsäuberlich im Schrank verstaut werden, das Geschirr wird ausnahmslos abgewaschen, nichts darf schmutzig wirken.

19:00 - Er betrachtet die Uhr, 1 Stunde noch, denkt er sich. Die Warterei macht ihn Wahnsinnig, er läuft in seiner Wohnung auf und ab, sucht eine Beschäftung, doch nichts ist mehr zu tun.
Er greift nach seinem Autoschlüssel, zieht seine Jacke an, schlüpft in seine besten Schuhe, bindet sie zu und greift nach seinem Schal, draußen ist es kalt, so kalt war es noch nie im November, denkt er sich, bevor er zur Tür ging zog er noch seine Handschuhe an und setzte seine Mütze auf, nun öffnete er die Tür und ging hinaus zu seinem Wagen, in den er einstieg und sich auf den Weg zum Bahnhof machte an dem sie bald eintraf.

19:30 - Er schaut auf die Uhr, noch 30 Minuten, denkt er sich. Er läuft am Gleiß auf und ab, macht sich eine Zigarette an und denkt über alles nach, Gedanken über die man Stunden lang nachdenken konnte, durchlaufen seinen Kopf in wenigen Minuten, all die Fragen werde immer wiederholt,

Was soll ich sagen?
Was soll ich tun?
Wie soll ich reagieren?
Was wenn ich mich blamiere?
Was wenn sie nicht die ist, die sie zu sein scheint?
Was wenn ich anders bin, als sie es von mir erwartet?

Diese Fragen wurden zur einer greifbaren Substanz in seinem Kopf, ein zähflüssiges Szenario, welches ihm wie Stunden vorkam, als er dort stand und auf die Uhr starrte, die Zeiger bewegten sich langsam und stetig, Sekunde für Sekunde ging vorüber. Er zündet sich erneut eine Zigarette an, zog daran, wirkte auf die Passanten nervös, seine Hände zitterten bei jedem Zug an seiner Zigarette.
Es liegt bestimmt an der Kälte, dachte er sich, bis er seinen Herzschlag hörte, er hörte jeden Schlag, wie ein Donnern in seiner Brust, immer schneller, bis sein Körper kurz vorm Bersten war.
Dann kam der Zug

20:00 - Er betrachtet die Tür, sie ist da, dachte er. Die Tür öffnet sich und ein Schwall Menschen drang herraus, ein stetiger Fluss an Gesichtern schritt an ihm vorbei, wärend seine Nervosität stieg, es war als würde jede einzelne Person ihm ein bisschen Nervosität geben. Er wurde ungeduldig, tippelte von einem Fuß auf den anderen. Sein Herz schlug immer schneller und immer lauter, es war fast nicht zu ertragen, als es plötzlich aufhörte, er sein Herz weder hören noch spüren konnte, als wäre sein Herz stehen geblieben, denn sein Blick fiel auf ihr Gesicht, die Welt um ihn herum verlangsamte sich, schien beinahe still zu stehen, sie trat auf ihn zu, ihr Gesicht leicht gerötet von der Kälte, Wind wehte ihr ins Gesicht und zerzauste leicht ihr Haar.
Er starrte in ihre Augen, Augen so tief blau, dass er sich darin zu verlieren schien.
Dort stand sie nun 30 cm von ihm entfernt, ihren Koffer in der Hand, sie war jenseits seiner Erwartungen, es wurde bereits dunkel, doch sie schien innerlich zu leuchten, niemand bemerke dies außer ihm, es vergingen nur Sekunden, doch sie kamen ihm wie Stunden vor, Stunden in denen er jeden Aspekt ihres Seins beobachtete, Stunden in denen er alles in sich aufsog.
Seine Gedanken überschlugen sich, sein Kopf war völlig leer, alle Fragen waren vergessen, nur die Nervosität stieg weiter an. Das steinere Gebilde, welches sein Magen zuvor noch war, verwandelte sich in einen massiven Klotz Diamanten, er wusste nicht was er sagen sollte, oder was er tun sollte, seine Unsicherheit wuchs ins unermessliche, doch dann war alles vorbei, er fühlte sich Sicher und hörte auf zu fürchten, alles was blieb war Wissen, denn sie bedachte ihn mit einem Lächeln und sagte "Hi"."

8.6.12 02:19

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